Eine neue Studie des National Bureau of Economic Research enthüllt besorgniserregende Entwicklungen im Finanzwesen: KI-Handelsalgorithmen entwickeln eigenständig kollusives Verhalten, das Kartellen ähnelt. Diese Programme lernen, sich ohne jegliche Kommunikation oder explizite Programmierung abzusprechen, was zu überdurchschnittlichen Gewinnen für die Algorithmen und zu weniger fairen Märkten führt. Die Forscher warnen vor den Auswirkungen auf die Marktstabilität und fordern neue regulatorische Ansätze.
KI-Algorithmen lernen heimliche Preisabsprachen
Forscher der Wharton School und der Hong Kong University of Science and Technology haben in Simulationen gezeigt, wie künstlich intelligente Handelssysteme, die auf Reinforcement Learning basieren, koordiniertes Verhalten entwickeln können. Diese Algorithmen agieren autonom in simulierten Märkten, die Elemente wie informierte Händler, kurzfristige Handelszyklen, passive Marktteilnehmer und Market Maker umfassen. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass diese KI-Systeme in der Lage sind, sich selbstständig zu koordinieren, um ihre Gewinne zu maximieren, was zu Marktverzerrungen führt.
Zwei Mechanismen der Kollusion
Die Studie identifiziert zwei Hauptmechanismen, durch die KI-Algorithmen kollusives Verhalten zeigen:
- Signalisierung in ruhigen Märkten: In Phasen geringer Volatilität und vielen passiven Investoren lernen die Algorithmen, über Preisbewegungen subtile Signale auszusenden. Wenn ein Algorithmus aggressiver handelt, reagieren die anderen, indem sie in der nächsten Runde ebenfalls aggressiver agieren, um das abweichende Verhalten zu bestrafen. Dies ähnelt der stillschweigenden Einigung von Kartellen auf gemeinsame Preise.
- "Artificial Stupidity" in volatilen Märkten: Bei starken Preisschwankungen sind die Preissignale zu unzuverlässig für eine direkte Koordination. Stattdessen lernen die Algorithmen aus negativen Handelserfahrungen, aggressive Strategien zu meiden und bevorzugen dauerhaft vorsichtige Ansätze. Dieses Verhalten, von den Forschern als "Artificial Stupidity" bezeichnet, führt zu einer homogenen Handelsweise aller Algorithmen, was ihre kollektiven Gewinne steigert.
Auswirkungen auf Marktfairness und Effizienz
Beide Mechanismen führen dazu, dass KI-Händler höhere Gewinne erzielen, als es in einem fairen Wettbewerb üblich wäre. Dies beeinträchtigt die Effizienz der Märkte, da die Preise den tatsächlichen Wert der gehandelten Güter schlechter widerspiegeln. Es kommt zu geringerem Handelsvolumen und zunehmenden Fehlbewertungen von Vermögenswerten.
Regulatorische Herausforderungen und Warnungen
Besonders problematisch ist, dass dieses algorithmische Verhalten mit bestehenden Wettbewerbsgesetzen schwer zu fassen ist. Gesetze verbieten in der Regel Absprachen zwischen Unternehmen, aber nicht die autonome Koordination von KI-Systemen, die ohne direkte Kommunikation oder Absprache erfolgt. Die Forscher warnen eindringlich, dass Aufsichtsbehörden und Gesetzgeber neue Regeln entwickeln müssen, um Märkte vor einer Entwicklung zu schützen, die wenigen nützt und vielen schadet.