Eine neue Studie aus Polen warnt vor einem besorgniserregenden Kompetenzverlust bei Ärzten, die Künstliche Intelligenz (KI) bei Koloskopien einsetzen. Die regelmäßige Nutzung von KI-Systemen kann dazu führen, dass Ärzte ohne diese Unterstützung signifikant weniger Krebsvorstufen entdecken. Experten vergleichen diesen Effekt mit der Abhängigkeit von GPS-Systemen, bei denen man ohne Navigation verloren wäre.
KI-Nutzung und ihre Folgen
Die in The Lancet Gastroenterology & Hepatology veröffentlichte Studie analysierte über 1.400 Koloskopien. Sie ergab, dass die Adenoma Detection Rate (ADR), ein wichtiger Qualitätsindikator, nach der Einführung von KI von 28,4 % auf 22,4 % sank. Die Forscher vermuten, dass die ständige KI-Unterstützung zu einer Verringerung der kognitiven Aktivität, Motivation und des Verantwortungsgefühls bei diagnostischen Entscheidungen führt.
Experten fordern Gegenmaßnahmen
- Kompetenzverlust: Experten wie Omer Ahmad vom University College London sprechen von einem "unbeabsichtigten Kompetenzverlust" durch KI.
- Handlungsempfehlungen: Es werden Richtlinien zur Leistungsüberwachung, Aufklärungsprogramme und regelmäßige Übungseinheiten ohne KI gefordert, um die diagnostischen Fähigkeiten der Ärzte aktiv zu erhalten.
- Forschungsbedarf: Ahmad betont die Notwendigkeit weiterer hochwertiger Studien mit Cross-over-Designs, um die Auswirkungen von KI-gestützten und nicht-KI-gestützten Koloskopien umfassend zu vergleichen.
Einschränkungen der Studie
Die Studie hat auch Einschränkungen zu beachten. Da es sich um eine Beobachtungsstudie ohne Randomisierung handelt, können Selektionsverzerrungen nicht ausgeschlossen werden. Zudem wurde nur ein KI-System getestet, was die Übertragbarkeit der Ergebnisse auf andere Systeme einschränkt. Es wird vermutet, dass weniger erfahrene Ärzte stärker von diesem Kompetenzverlust betroffen sein könnten, obwohl die Studienteilnehmer alle über mindestens 2.000 Koloskopien verfügten.