Die künstliche Intelligenz-Firma Anthropic hat sich in einem historischen Vergleich mit US-Autoren und Verlagen auf eine Entschädigung in Höhe von mindestens 1,5 Milliarden US-Dollar geeinigt. Dies geschah zur Beilegung einer Sammelklage, in der dem Unternehmen "Napster-ähnliche" Piraterie vorgeworfen wurde, da es angeblich urheberrechtlich geschützte Bücher ohne Lizenz für das Training seiner KI-Modelle genutzt hat.
Wichtige Erkenntnisse
- Anthropic zahlt mindestens 1,5 Milliarden US-Dollar an US-Autoren und Verlage.
- Die Einigung betrifft die Nutzung von rund 500.000 urheberrechtlich geschützten Werken aus Piratenquellen.
- Der Vergleich deckt nur vergangene Verstöße ab und schließt zukünftige KI-Ausgaben nicht ein.
- Das Gericht hatte Anthropic zuvor "Napster-ähnliche" Urheberrechtsverletzungen vorgeworfen.
Der Vergleich im Detail
Anthropic wird die vereinbarte Summe von mindestens 1,5 Milliarden US-Dollar über vier Raten innerhalb von zwei Jahren in einen Fonds einzahlen. Dies entspricht einem durchschnittlichen Betrag von etwa 3.000 US-Dollar pro betroffenem Werk. Sollte die endgültige Anzahl der Werke höher sein, zahlt Anthropic 3.000 US-Dollar für jedes zusätzliche Werk.
Die Einigung bezieht sich ausschließlich auf Urheberrechtsverletzungen, die bis zum 25. August 2025 stattgefunden haben. Zukünftige Verstöße oder die Ergebnisse (Outputs) der KI sind von diesem Vergleich nicht abgedeckt. Anthropic verpflichtet sich zudem, alle aus den Piratenquellen Library Genesis (LibGen) und Pirate Library Mirror (PiLiMi) stammenden Dateien sowie daraus abgeleitete Kopien zu löschen.
Auswirkungen auf die KI-Industrie
Dieser Vergleich könnte weitreichende Folgen für die KI-Industrie haben, da er die Preisbildung für Trainingsdaten neu gestaltet. Bisher stützten sich viele KI-Unternehmen auf frei verfügbare oder als "preislos" angesehene Inhalte. Mit der Klärung der Rechtslage und der Entstehung eines Marktes für Lizenzierungen wird es für KI-Unternehmen schwieriger, die Nutzung urheberrechtlich geschützter Werke als "fair use" zu argumentieren.
Gerichtliche Vorwürfe
Die Entscheidung von Anthropic, eine Abfindung zu zahlen, folgt auf eine kritische Haltung des zuständigen Bundesgerichts in Kalifornien. Bereits im Juli 2025 hatte das Gericht die Sammelklage zugelassen und dabei von einer "Napster-ähnlichen Urheberrechtsverletzung" gesprochen. Es wurde betont, dass "fair use" nicht für illegal beschaffte Kopien gelte, selbst wenn die spätere Nutzung transformativ sei.
Ein früheres Teilurteil im Juni 2025 hatte zwar festgestellt, dass das Training von KI-Modellen mit urheberrechtlich geschützten Büchern unter bestimmten Bedingungen als "fair use" zulässig sein kann, dies jedoch nur, wenn die Werke legal beschafft wurden. Für Inhalte aus Piratenquellen wie LibGen oder Books3 galt dies ausdrücklich nicht. Die Entscheidung unterstreicht, dass KI-Unternehmen bei der Datenbeschaffung an das Urheberrecht gebunden sind, auch wenn bei öffentlich zugänglichen Internetinhalten weiterhin ein Graubereich besteht.