Die niederländische Regierung hat die Kontrolle über den europäischen Chiphersteller Nexperia übernommen. Diese Entscheidung, die auf "akute und schwerwiegende Governance-Mängel" sowie eine "Bedrohung für die Kontinuität und Sicherung technologischen Know-hows" zurückzuführen ist, markiert eine neue Eskalationsstufe im westlich-chinesischen Technologiekonflikt. Nexperia, ein wichtiger Zulieferer für die Automobilindustrie und Unterhaltungselektronik, gehört seit 2019 mehrheitlich zur chinesischen Wingtech-Gruppe.
Key Takeaways
- Die niederländische Regierung hat die Kontrolle über Nexperia übernommen.
- Grund sind "akute und schwerwiegende Governance-Mängel" und eine Bedrohung für das technologische Know-how.
- Ein Gericht hat den chinesischen CEO abgesetzt und einen unabhängigen Direktor eingesetzt.
- Wingtech kritisiert die Maßnahme als "geopolitisch motivierten Eingriff".
Regierung greift ein
Das niederländische Wirtschaftsministerium teilte am Sonntag mit, dass die Regierung die Kontrolle über Nexperia übernommen hat. Dies geschah durch die Anwendung des niederländischen Gesetzes zur Warenverfügbarkeit, um sicherzustellen, dass Nexperia-Produkte im Krisenfall weiterhin verfügbar sind. Ein entsprechender Beschluss wurde bereits am 30. September gefasst, aber erst am 12. Oktober öffentlich gemacht.
Gerichtliche Entmachtung des Managements
Einen Tag nach dem staatlichen Eingreifen beantragten drei europäische Manager von Nexperia eine Notintervention beim Berufungsgericht Amsterdam. Das Gericht folgte diesem Antrag und setzte den chinesischen CEO Zhang Xuezheng als Geschäftsführer und Aufsichtsrat ab. Zusätzlich wurde die Einsetzung eines unabhängigen, nicht-chinesischen Direktors mit Entscheidungsbefugnis angeordnet. Fast alle Nexperia-Aktien wurden unter die Aufsicht eines Treuhänders gestellt. Wirtschaftsminister Vincent Karremans hat nun die Befugnis, alle Entscheidungen des Nexperia-Vorstands zu blockieren oder zu widerrufen.
Chinesische Reaktion und globaler Kontext
Die chinesische Wingtech-Gruppe bezeichnete die Maßnahmen als "übermäßige Einmischung" und "nicht faktenbasierte Risikobewertung", die gegen Prinzipien der EU für fairen Wettbewerb verstoße. Das Unternehmen hat bereits um Unterstützung bei der chinesischen Regierung gebeten. Dieser Vorfall reiht sich in eine Serie westlicher Maßnahmen gegen chinesischen Einfluss in der Halbleiterbranche ein. Die USA hatten Wingtech bereits mit Exportbeschränkungen belegt, die auch Nexperia betreffen. Zuvor hatte bereits Großbritannien den Kauf einer britischen Chipfabrik durch Nexperia untersagt. China reagierte auf solche Maßnahmen unter anderem mit Exportbeschränkungen für Seltene Erden.