OpenAI-Forscher sorgten kürzlich für Aufsehen, indem sie verkündeten, ihre KI GPT-5 habe zehn bisher ungelöste mathematische Probleme gelöst und bei elf weiteren Fortschritte erzielt. Diese Behauptung, die auf einen potenziellen Meilenstein in der künstlichen Intelligenz hindeutete, wurde jedoch schnell von der mathematischen Gemeinschaft korrigiert.
Key Takeaways
- OpenAI-Forscher behaupteten fälschlicherweise, GPT-5 habe ungelöste mathematische Probleme gelöst.
- Die Community, darunter Deepmind-Chef Demis Hassabis, wies die Behauptung als Fehlinterpretation zurück.
- GPT-5 erwies sich als nützliches Recherchewerkzeug zur Identifizierung relevanter Fachliteratur.
Ein vermeintlicher Durchbruch
Ein Tweet des OpenAI-Managers Kevin Weil löste eine Welle der Begeisterung aus: GPT-5 habe "Lösungen für 10 (!) bisher ungelöste Erdős-Probleme gefunden" und bei weiteren elf Problemen Fortschritte gemacht. Diese Probleme seien "seit Jahrzehnten offen". Die Formulierung suggerierte, dass die KI eigenständig komplexe mathematische Beweise erbracht habe, was als Beweis für die kreative Leistungsfähigkeit generativer KI gewertet worden wäre.
Schnelle Korrektur aus der Community
Die Realität sah jedoch anders aus. Der Mathematiker Thomas Bloom, Betreiber von erdosproblems.com, widersprach umgehend und bezeichnete die Aussage als "dramatische Fehlinterpretation". Laut Bloom bedeutet die Kennzeichnung "offen" auf seiner Website lediglich, dass ihm persönlich keine Lösung bekannt sei, nicht aber, dass das Problem tatsächlich ungelöst sei. GPT-5 habe lediglich bereits existierende Arbeiten gefunden, die ihm entgangen waren.
Auch Deepmind-CEO Demis Hassabis kritisierte die Darstellung als "peinlich". Metas KI-Forscher Yann LeCun deutete an, dass OpenAI durch überzogene Versprechungen und den Hype um seine Modelle nun selbst bloßgestellt werde.
GPT-5 als Recherchewerkzeug
Die ursprünglichen Tweets wurden gelöscht oder relativiert. Dennoch bleibt die Frage nach der Sorglosigkeit, mit der führende KI-Forscher solche Fortschrittsnachrichten ohne Überprüfung verbreiten. Der eigentliche Beitrag von GPT-5 lag darin, dass das Modell erfolgreich als Recherchetool eingesetzt wurde, um relevante Fachliteratur zu identifizieren. Dies ist besonders hilfreich bei Problemen mit uneinheitlicher Terminologie oder verstreuter Literatur.
Der Mathematiker Terence Tao sieht darin das kurzfristige Potenzial von KI in der Mathematik: nicht beim Lösen der schwierigsten Probleme, sondern bei der Beschleunigung zeitaufwendiger Aufgaben wie der Literaturrecherche. Tao beschrieb, wie GPT-gestützte Recherchen bereits zur Neubewertung mehrerer Probleme führten. Menschliche Erfahrung und Urteilsvermögen seien dabei entscheidend, um die KI-Ausgaben zu prüfen und sicher in bestehende Arbeitsabläufe zu integrieren.